Innovation und/oder kontinuierliche Verbesserung?

In der Praxis wird zurzeit häufig das Wort der Innovation benutzt, da jede (gute?) Führungskraft von sich behaupten muss, dass das eigene Unternehmen innovativ ist, um beim Gespräch mit anderen Führungskräften nicht der Außenseiter zu sein. Oftmals wird dann auch noch der etablierte Begriff der kontinuierlichen Verbesserung, welcher aus den jahrzehntelang mehr oder weniger erfolgreich implementierten Qualitätsmanagementsystemen der Organisationen wohl bekannt und verbreitet ist, dem Gespräch hinzugefügt um zu zeigen, wie wichtig auch Qualitätsführerschaft für das Unternehmen ist.

Erst vor kurzem hat wiedermal bei der Podiumsdiskussion einer Veranstaltung ein Top-Manager eines führenden Großunternehmens Österreichs gemeint, dass in der heutigen Zeit jeder von Innovationen spreche, weil das gerade modern ist und besser klingt als KVP, also kontinuierlicher Verbesserungsprozess. Mit dieser Aussage setzte er bewusst oder unbewusst den Begriff der Innovation mit dem der kontinuierlichen Verbesserung gleich, was jedoch falsch ist. Beide Begriffe beschreiben völlig unterschiedliche Konzepte:

  • Kontinuierliche Verbesserung beschreibt ein Konzept in welchem stetig bestehende Prozesse oder Produkte mittels der Realisierung kleiner Verbesserungen optimiert werden, um ein Maximum an Effektivität oder Effizienz zu erreichen.
  • Innovationen sind qualitativ neuartige Produkte oder Prozesse, welche sich merkbar und deutlich vom aktuellen Status quo unterscheiden und aus einer Geschäftsidee in einen Markterfolg umgesetzt wurden.

Der Unterschied ist somit – vereinfacht gesagt – das Ziel sowie die Intensität der Wirkung. Kontinuierliche Verbesserung entwickelt etwas Bestehendes in kleinen Schritten weiter, um dessen Erfolg zu optimieren. Eine Innovation ist eine am Markt erfolgreich etablierte Neuheit die einen großen Entwicklungssprung in sich birgt.

Um ein Unternehmen langfristig erfolgreich zu führen benötigt es klarerweise beide Konzepte. Durch die Innovation wird ein Vorteil gegenüber der Konkurrenz am Markt geschaffen bzw. sogar ein neuer Markt und durch die kontinuierliche Verbesserung soll der wirtschaftliche Erfolg dieser Innovation sichergestellt und optimiert werden. Verlässt sich ein Unternehmen nur auf Innovationen, wird die Qualität oder der Erfolg dieser Innovation auf lange Sicht abnehmen und das Unternehmen erfolglos werden. Ebenso ermöglicht nur kontinuierliche Verbesserung auf lange Sicht keine wesentlichen Entwicklungssprünge, weshalb der Vorteil gegenüber dem Mitbewerb auf lange Sicht verloren gehen wird oder die Technologie durch neue Innovationen zur Gänze überholt wird.

Das Zusammenwirken der beiden Konzepte Innovation und KVP ist in der nachfolgenden Grafik veranschaulicht, wobei hier auch der Begriff des Kaizens vorkommt, welcher aus dem Japanischen stammt und im Wesentlichen der Denkhaltung des KVP gleichzusetzen ist.

Der Zusammenhang von KVP/ Kaizen und Innovation.
Der Zusammenhang von KVP/ Kaizen und Innovation.

In der Führung eines Unternehmens gilt es beide Konzepte in der Kultur, der Strategie und der Organisation zu verankern. Dabei geht es jedoch nicht darum unbedingt eigene Abteilungen oder Beauftragte für diese Bereiche zu schaffen, sondern die Wichtigkeit und Bedeutung dieser Ansätze sowie die unterstützenden kulturellen Rahmenbedingungen in der Unternehmenskultur zu verankern und den Mitarbeitern stetig vor Augen zu führen und vorzuleben. Die alleinige Festlegung in der Strategie diese Themen zu forcieren wird nicht funktionieren, denn – und hier sei der bekannte Management-Vordenker Peter Drucker zitiert – „Culture eats strategy for breakfast“. Die schillerndsten strategischen Vorgaben haben keine Chance die gelebte (nicht die verordnete) Unternehmenskultur zu überleben, wenn diese nicht mit der Strategie korreliert. Innovation und kontinuierliche Verbesserung sind somit eine Aufgabe der Führungskräfte in der Formung der Unternehmenskultur.

 

Mehr zu Innovation und dem Management zur Förderung von Innovation: Moser, Innovationskonzept und Implementierungsstrategie für ein mittelständisches Produktionsunternehmen

Mehr zu kontinuierlicher Verbesserung: Seghezzi, Fahrni, Firedli; Integriertes Qualitätsmanagement. Der St. Galler Ansatz; Hanser Verlag

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