Neue Ideen mit der 6-3-5 Methode finden

Im Rahmen von Problemlösungs- und Innovationsprozessen kommt es immer wieder zu Situationen, in welchen kreative Ideen benötigt werden. Sei es bei der Lösung von Qualitätsproblemen in einem Produktionsprozess, bei der Findung von neuen Dienstleistungen oder Produkten oder bei der Suche nach Gründungsideen – kreative Ideen sind häufig gefragt im beruflichen Alltag. Ideen können einfach durch Zufall aufpoppen, können aber auch systematisch mit Kreativitätstechniken aktiv gesucht werden.

Kreativitätstechniken sind Ansätze, die die Kreativität des Individuums oder der Gruppe heben. Zudem sollen sie das Informationsverhalten anregen oder in neue Richtungen lenken. Mittlerweile gibt es eine nahezu unüberschaubare Menge an Kreativitätstechniken, die sich unterschiedlicher Popularität erfreuen. Prinzipiell kann man bezüglich Kreativitätstechniken zwischen zwei Vorgehensweisen bei der Förderung der Kreativität unterscheiden:

  • Verstärkung der Intuition
  • Systematisch-analytisches Vorgehen

In der Praxis werden aber tatsächlich nur wenige Kreativitätstechniken wahrgenommen, bewusst eingesetzt und als erfolgreich beurteilt. Kreativitätstechniken sind eigentlich für Gruppen gedacht, können aber zum Teil auch alleine angewandt werden. Die Gruppengröße und Gruppenzusammensetzung ist jedoch ein Kriterium, welches Beachtung finden muss, will man die Resultate der einzelnen Techniken optimieren.

Die 6-3-5 Methode

Brainwriting ist eine Weiterentwicklung des Brainstormings. Hier wird gezielt versucht, das kreative Assoziationspotenzial des Brainstormings mit einer konzentrierten Individualleistung zu kombinieren. Das Setting ist zwar interaktiv, jedoch findet die Kommunikation im Gegensatz zum Brainstorming nicht mündlich, sondern schriftlich statt. Die anfangs möglicherweise paradox erscheinende Bezeichnung „6-3-5“ wird logisch, wenn man die Vorgehensweise bei dieser Technik genauer betrachtet: Jeweils sechs Teilnehmer entwickeln je drei Lösungsvorschläge. Die Vorschläge der übrigen Teilnehmer werden dann in einem fünffachen Durchlauf weitergeführt oder es wird mit neuen Ideen begonnen.

Ablauf

Gemäß der Intention des Erfinders der 6-3-5 Methode, dem Unternehmensberater Bernd Rohrbach, läuft die 6-3-5 Methode idealtypischer Weise wie folgt ab:

Vorbereitung:

Zu Beginn muss allen Teilnehmern bewusst sein, welche Problemstellung im Raum steht. Um dies sicherzustellen, wird diese am besten vorab mündlich diskutiert und anschließend schriftlich festgehalten. Sobald alle Teilnehmer das Problem verstanden haben ist die Vorbereitung beendet. Unter Umständen macht es Sinn, 6-3-5 anonymisiert durchzuführen – zum Beispiel, wenn in der betroffenen Gruppe Personen aus verschiedenen Hierarchiestufen einer sehr steilen Hierarchie eingebunden sind. Die Aufgabe wäre in einer derartigen Situation dann durch einen Moderator vorzugeben.

Des Weiteren wird in der Vorbereitung ein Formular für die spätere Durchführung erstellt, welches zumindest eine Tabelle mit 3 Spalten und 6 Zeilen enthält. Siehe nachfolgende Tabelle als Beispiel.

Problemstellung:
Teilnehmer Idee 1 Idee 2 Idee 3
1
2
3
4
5
6

 

Durchführung:

Jeder Teilnehmer schreibt drei Ideen in das vorbereitete Formular. Es gibt eine festgelegte Reihenfolge, wie diese Formulare an die anderen Teilnehmer weitergegeben werden müssen. In diesem nächsten Schritt werden nun die vorgelegten Ideen vertieft oder um weitere Ideen ergänzt. Dann wird das Formular wieder weitergegeben. Dieses Vorgehen wird insgesamt fünf Mal wiederholt. Es können verschiedene Ziele für diese Vorgehensweise vorgegeben werden, wie zum Beispiel möglichst viele verschiedene Ideen zu entwickeln oder Ideen so gut als möglich zu vertiefen und zu detaillieren.

Wichtig ist es auch, eine gewisse Bearbeitungszeit zu bestimmen. Diese sollte jedoch von Runde zu Runde angepasst werden, da die Fülle an Informationen, die verarbeitet werden muss steigt. Denkbar ist zum Beispiel eine zusätzliche Minute Bearbeitungszeit pro Runde. Wenn also zum Beispiel in der ersten Runde fünf Minuten zur Verfügung stehen, werden insgesamt 35 Minuten benötigt.

Ein Moderator wird im Vergleich zu vielen anderen Kreativitätstechniken nicht benötigt. Es ist jedoch wichtig sicherzustellen, dass bei der Vorstellung des Problems nicht schon mögliche Lösungsvarianten diskutiert werden.

Auswertung:

Im Unterschied zu anderen Verfahren ist hier ein hohes Maß an Präzision und nur ein geringes Maß an Interpretation möglich, da die Resultate schriftlich vorliegen. Es kann jedoch sein, dass nachgefragt werden muss, was konkret gemeint war, da sich die Inputs aufgrund begrenzter Zeit oft sehr kurz halten.

Vor- und Nachteile

Beim Brainwriting wird wie bereits erwähnt versucht, die aus dem Brainstorming entstehenden Vorteile mit jenen von konzentriert arbeitenden Menschen zu verbinden. Hierbei kommt es zu einer gezielten Konzentration der Aufmerksamkeit der Teilnehmer auf einige wenige Alternativen wodurch eine Assoziation ermöglicht wird. Durch die präzise Artikulation wird der Informationsprozess rationalisiert und nicht relevante Inhalte müssen nicht erst ausgesiebt werden. Durch die Beschränkungen wird gezielt versucht, nur essenzielle Informationen zu erhalten. Ein Vorteil ist auch, dass Passivität nicht zugelassen wird. Jeder muss Ideen einbringen.

Laterales Denken wird zumindest in der ersten Runde bewusst zugelassen. Bei den weiteren Durchläufen wird dann allerding mehr und mehr auf vertikales Denken abgezielt, wenn es darum geht die Ideen zu vertiefen oder zu konkretisieren. Spontaneität und das Zurückkommen auf an früherer Stelle genannte Ideen sind bei dieser Methode jedoch eingeschränkt. Negativ ist zudem zu sehen, dass die Teilnehmer zu Kreativität „gezwungen“ werden und sich durch die kurze Bearbeitungszeit ein gewisser Druck und ein Stressempfinden bei den Teilnehmern aufbauen könnte.

Weiterer Vorteil dieser Methode ist, dass für leichte und konkrete Problemstellungen innerhalb kürzester Zeit sehr viele mögliche Lösungen gefunden werden können, ohne ein besonderes Methodenwissen vorauszusetzen oder eine aufwändige Vorbereitung zu benötigen. In der puristischsten Version der 6-3-5 Methode können sich 6 Personen bei einem Problem einigen diese Methode anzuwenden und beginnen auf leeren Zetteln ihre Ideen zu formulieren.

Weiters werden im Vergleich zu anderen Formen der Gruppeninteraktion gezieltes Zuhören und Arbeiten auf der Grundlage Ideen anderer gefördert. Diese Art der Reflexion ist sonst nur schwer zu erzielen, ohne dass man das Gefühl hat, dass die eigenen Ideen untergehen.

Fazit

Die Methode 6-3-5 ist durch die einfache Möglichkeit der Ausführung und die schnelle Umsetzung ohne dazu einen Moderator zu benötigen gut für Probleme einfacher und mittlerer Komplexität geeignet, denen eine konkrete Problemstellung zu Grunde liegt und die eine konkrete Lösung benötigen. Im Optimum umfasst die Gruppengröße 6 Teilnehmer, wobei auch mehr oder weniger Personen in Ordnung sind, allerdings die Effektivität und Effizienz der Methode negativ beeinflussen. In der Praxis sind Teilnehmer und Anwender diese Methode oft überrascht, wieviel Kreativität und Produktivität durch diese Methode freigesetzt wird und wie schnell und mit wenig Aufwand praktikable Lösungen für eine konkrete Problemstellung generiert werden können.

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